Unfall – was tun? »Justitia-Serie Folge 1«

jochen Baur
  • 11 Apr 16

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Die Verkehrsdichte, die Anforderungen an den Kraftfahrer sowie die hiermit einhergehenden Risiken steigen seit Jahren ständig an. Infolge technischer Innovationen, sei es Abstandswarner, Bremsassistent, verbesserte Beleuchtung oder das Anzeigen von Hindernissen im toten Winkel sind die Unfallzahlen rückläufig. Ganz vermeiden lassen sich Kollisionen gleichwohl nicht.

Der Unfallbeteiligte befindet sich regelmäßig nach einer Kollision in einer Ausnahmesituation. Selbst wenn es zu keinen unfallbedingten Verletzungen gekommen sein sollte und kein Schockzustand eingetreten ist, steigt der Adrenalinspiegel deutlich an. In dieser Situation ist behutsames, ruhiges und bedachtes Handeln gefordert, auch wenn es schwerfallen mag.

Nach der Eigensicherung ist die Unfallstelle für den nachfolgenden Verkehr in hinreichendem Abstand abzusichern, um dann möglicherweise unfallbedingt verletzten Personen Hilfe zu leisten bzw. herbeizurufen. Anschließend sollten insbesondere bei unverschuldeten Unfällen bis zur polizeilichen Unfallaufnahme Zeugen zum Verbleib an der Unfallstelle aufgefordert bzw. diese namentlich festgehalten und die Fahrzeuge in Unfallendstellung belassen werden. Andernfalls können sich sowohl bei der späteren zivilrechtlichen Abwicklung als auch einer möglichen straf- oder bußgeldrechtlichen Verfolgung erhebliche Schwierigkeiten und Nachteile ergeben.

Oftmals wird eine anfänglich eindeutige Haftung des Unfallgegners im Nachhinein in Abrede gestellt oder ins Gegenteil verkehrt. Die in Anspruch genommenen Kfz-Haftpflichtversicherungen prüfen ihre Eintrittspflicht sowohl dem Grunde als auch der Höhe nach gründlich. Dies ist auch erforderlich, da nicht nur vereinzelt unbegründete Ansprüche geltend gemacht werden. Diese Vorgehensweise steht auch im Interesse der Versichertengemeinschaft an einer Geringhaltung der Prämie. Der redliche Geschädigte ist gleichwohl gut beraten, seine berechtigten Ansprüche mit fachkundiger Hilfe geltend zu machen und durchzusetzen, was sich exemplarisch an dem nachfolgend alltäglichen Fall zeigt:

Im Stadtverkehr ist der Schädiger im Stop-and-go-Verkehr auf einer leicht abschüssigen Straße mit geringster Geschwindigkeit auf den Pkw der Geschädigten, welcher von ihrem Sohn gefahren wurde, aufgerollt. Der Unfallverursacher hat sich entschuldigt. Da es bereits dunkel war, konnte auf den ersten Blick kein Schaden festgestellt werden. Die Handynummern wurden ausgetauscht. Nachdem die Mutter am nächsten Tag bei genauerer Betrachtung eine Deformation und einen Kratzer am hinteren Stoßfänger festgestellt hat, rief sie bei der gegnerischen Haftpflichtversicherung an. Von dort wurde ihr eine Schadennummer gegeben. Aufgrund der anscheinend eindeutigen Haftung hat sie den Schaden, da es sich um ein Leasingfahrzeug gehandelt hat, in einer Fachwerkstatt reparieren lassen. Der Ausgleich der Reparaturkosten in Höhe von 1.500,00 EUR wurde von der gegnerischen Versicherung gleichwohl abgelehnt mit der Behauptung, das Schadenbild sei bei Betrachtung der gefertigten Lichtbilder nicht nachvollziehbar. Da der Schaden bereits repariert war, konnte eine Begutachtung nicht mehr erfolgen. Im späteren Prozess hatte der Unfallgegner zwar eingestanden, aufgerollt zu sein. Den strittigen Schaden hat er an der Unfallstelle nicht wahrgenommen. Der Sohn der Geschädigten hatte angegeben, dass das Fahrzeug vor der Kollision vollkommen schadenfrei war. Der gerichtliche Sachverständige konnte anhand der mittelmäßigen Lichtbildaufnahmen aus technischer Sicht das Schadenbild nicht eindeutig dem Fahrzeug des Unfallgegners zuordnen, zumal die Anstoßhöhen nicht exakt übereinander gelegen haben. Die Geschädigte blieb auf ihrem Schaden sitzen.

Dies wäre vermeidbar gewesen. Die Mitteilung einer Schadennummer stellt kein Haftungsanerkenntnis dar. Dies ist jedoch regelmäßig vor Ausführung von Reparaturarbeiten und dem damit einhergehenden Verlust von Beweismitteln zu fordern. Sollte ein Haftungsanerkenntnis nicht abgegeben werden, können anhand der dann noch vorhandenen Beschädigungen und einer Fahrzeug-gegenüberstellung die Schadenverursachung rekonstruiert, die Haftung festgestellt und Schadenersatzansprüche durchgesetzt werden.

RA Dr. Jochen Baur

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